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Für Familien und Senioren unbezahlbar?
16.03.2012[f|Für Familien und Senioren unbezahlbar?]
ESSLINGEN: Baugenossenschaft will Mieten für ihr Mehrgenerationenwohnen auf dem Zollberg erhöhen
[f|"Schöne Wohnlage mit Aussicht, 41 größtenteils barrierefreie Mietwohnungen in vier Neubauten, Aufzüge, dazu Gemeinschaftsräume und eine Sozial-kraft, die das Miteinander auf den rechten Weg bringen soll: Das mittlerweile zwei Jahre alte Mehrgenerationenprojekt der Baugenossenschaft Esslingen (BGE) auf dem Zollberg ist nicht nur attraktiv und innovativ, sondern hat auch seinen Preis. Den will die BGE zum 1. April noch weiter erhöhen - was für Unruhe unter den Mietern sorgt."]
Von Claudia Bitzer
Horst und Maria Brinkmann (Namen geändert) und ihre drei kleinen Kinder wohnen seit Juli 2010 in der Neuffenstraße - auf 117 Quadratmetern, für die sie bislang 1038,40 Euro kalt und eine Nebenkostenvorauszahlung von 354 Euro monatlich überweisen. „Ab April sollen die Mieten um etwa zehn Prozent steigen und dem Mietspiegel 2012 angepasst werden. Das sind für uns rund 100 Euro pro Monat mehr - und für einige andere Familien auch. Aber auch für die Senioren sind die Mieterhöhungen nicht unerheblich und sorgen auch zwischen den Parteien für Unruhe, da diese unterschiedlich hoch ausgefallen sind“, berichtet Maria Brinkmann.
[f|"Traurig für Projekt und Kinder"]
Statt 8,89 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter sollen die Brinkmanns künftig 9,98 Euro bezahlen. Dass die Erhöhung nicht jenseits des Mietspiegels liegt, haben sie überprüft. Doch denken sie und offenbar noch andere Familien jetzt über einen Auszug nach, weil sie die Miete nicht mehr tragen können und wollen. „Wir wohnen gerade mal rund eineinhalb Jahre hier und müssen nun die Kontakte und Bindungen, die hier langsam entstehen, schon wieder abbrechen. Das ist traurig für das Projekt und vor allem auch für unsere Kinder.“ Zudem befürchten sie, dass der ohnehin schon überschaubare Anteil an Familien - derzeit leben laut BGE-Angaben in den 41 Wohnungen acht Familien mit elf Kindern - noch weiter zurückgehen könnte. Ihr Fazit: „Insgesamt ist es schon eine traurige Angelegenheit, wenn ein solches ,Vorzeigeprojekt‘ für die eigentliche Zielgruppe Senioren und Familien nicht finanzierbar ist und noch mehr als bisher Doppelverdiener ohne Gemeinschaftsinteresse einziehen.“
Begräbt die Baugenossenschaft damit ihr gerade einmal zwei Jahre altes Projekt, das sie für knapp zehn Millionen Euro auf dem Areal der ehe-maligen Jugendherberge realisiert hat? „Nein, es lebt und hat auch Zukunft“, widerspricht BGE-Vorstand Christian Brokate mit Vehemenz. „Aber bei den vier Häusern handelt es sich um hochwertige Neubauten in attraktiver Lage, dazu noch begleitet durch eine soziale Fachkraft. Wir können die Mieter dort nicht anders behandeln als die Nutzer unserer anderen rund 3000 Wohnungen in der Stadt.“
Schließlich komme der gesamte Wohnungsbestand der Baugenossenschaft in Sachen Mietpreise alle zwei Jahre auf den Prüfstand. Brokate: „Das heißt aber noch nicht, dass auch alle zwei Jahre erhöht wird." Wenn eine Wohnung innerhalb der letzten 15 Monate neu bezogen wurde oder kein Spielraum mehr nach oben ist, passiert - zumindest vorerst - nichts.
[f|"Im Premium-Segment"]
Tatsache ist jedoch, das die BGE ihre Mieten in den vergangenen drei Jahren kräftig erhöht hat. „Die Baugenossenschaft wollte viele Jahre lang das preiswerteste Wohnungsunternehmen sein, hat aber über Jahre hinweg höhere Kosten als Einnahmen verbucht“, begründet Brokate den massiven Zugriff. „Wir gehen jetzt an die ortsübliche Vergleichsmiete heran."
Wobei das Mehrgenerationenwohnen klar zum Premium-Segment des BGE-Bestands gehört, der in ganz Esslingen eine Mieten-Bandbreite von knapp drei bis 10,60 Euro pro Quadratmeter und Monat abdeckt.
Je nach Wohnungsgröße, Ausstattung und Einzugsdatum zahlt man im Mehrgenerationenprojekt in der Neuffenstraße jedenfalls künftig bis zu 10,44 Euro. Im Schnitt steigt die monatliche Miete dort laut BGEAngaben von 8,51 auf 9,06 Euro pro Quadratmeter, was einer Erhöhung um etwa sechseinhalb Prozent entspricht. Immerhin sind sieben von 41 Mietern mit der Höchstmarge von plus zehn Prozent dabei.
Brokate: „Das Projekt war nie als sozialer Wohnungsbau gedacht.“ Dennoch habe die BGE von Anfang an auf eine ausgewogene Bewohnerstruktur geachtet und die Wohnungen teilweise leer stehen lassen, bis sie geeignete Mieter fand. „Im Einzelfall tun die Mieterhöhungen sicher weh.“ Man habe den Betroffenen angeboten, nach Lösungen zu suchen. Doch individualisierte Mietpreise könne es nicht geben. Komme es doch zu Umzügen, sei er zuversichtlich, wieder geeignete Nachmieter zu finden.
[u|"DEM PROJEKT NICHT ZUTRÄGLICH, ABER AUCH NICHT UNVERHÄLTNISMÄSSIG“]
Die Baugenossenschaft Esslingen (BGE) hat ihr Mehrgenerationenprojekt auf dem Zollberg bislang sehr verantwortungsbewusst auf den Weg gebracht. Das bestätigt auch die Planungs- und Projektgruppe aus dem Stadtteil Zollberg und der Stadtverwaltung, die das innovative Wohnvorhaben von Anfang an mit geplant und begleitet hat.
„Das Projekt ist zu 100 Prozent frei finanziert von der Baugenossenschaft, die auch noch
Gemeinschaftsräume für ihre Mieter zur Verfügung stellt. Die Stadt bezuschusst lediglich die halbe Stelle für die Fachkraft mit 40 Prozent, um das Mehrgenerationenwohnen mit dem Stadtteil zu verzahnen“, sagt etwa Peter Zürn, der Vorsitzende des Bürgerausschusses Zollberg. Die anstehenden Mieterhöhungen seien für das Mehrgenerationen-projekt zwar „nicht zuträglich, aber auch nicht unverhältnismäßig“. Die BGE müsse ihr Vorgehen ja auch vor ihren anderen Mitgliedern rechtfertigen, verweist er auf die Vielschichtigkeit der Thematik.Zwar hatte die BGE das 6000 Quadratmeter große Jugendherbergsareal 2006 nicht nur aufgrund ihres Gebots von gut zwei Millionen Euro, sondern auch ausdrücklich wegen ihres Konzepts erhalten. Doch sagt Franz Schneider vom Stadtplanungsamt: „Es gibt sachliche und fachliche Aspekte, die dafür sprechen, dass die angestrebte Mieterstruktur eingehalten wird. Aber wir haben keinen rechtlichen Anspruch darauf.“
„Es ist bei innovativen Wohnmodellen leider immer noch eine Kunst, Konzeption und Wirtschaftlichkeit auszutarieren. Die meisten sind nicht öffentlich gefördert, oft sind sie sogar nur im Eigentums-bereich möglich“, verweist Renate Schaumburg vom Amt für Sozialwesen auf vergleichbare Objekte andernorts. Sie hofft, dass sich die Baugenossen-schaft noch einmal mit den Mietern an einen Tisch setzt. „Gerade jetzt, wo sich so etwas wie eine Hausgemeinschaft entwickelt hat, wäre es nicht förderlich, wenn die Menschen auszögen.“ biz
Artikel vom 16.03.2012 © Eßlinger Zeitung
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Mieten 18 Prozent über Bundesschnitt
01.03.2012[f|"Mieten 18 Prozent über Bundesschnitt"]
ESSLINGEN: Im Vergleich aller deutschen Städte liegt Esslingen auf Platz 16 - Neuer Mietspiegel gibt Orientierung
Esslingen ist eine Stadt mit hoher Lebensqualität, hoch sind aber auch die Preise für Wohnraum. Laut dem Mietspiegelindex des Hamburger Forschungsinstituts F+B liegen die Mieten in Esslingen um 18 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Die Neckarstadt belegt damit in der Hitliste der teuersten Städte Deutschlands den 16. Platz. Der neue Mietspiegel, der nun erschienen ist, soll dazu beitragen, dass aus hohen keine überhöhten Mieten werden.
Von Kornelius Fritz
Die höchsten Mieten werden bundesweit in München bezahlt, doch schon auf Platz 3 und 4 folgen Leinfelden-Echterdingen und Stuttgart. Unter den Top 30 finden sich gleich zwölf Städte aus der Region, darunter auch Esslingen auf Rang 16. „Esslingen ist teuer, und nach meiner Einschätzung werden die Mieten auch in Zukunft steigen“, sagt Christian Brokate, Vorstandsmitglied bei der Baugenossenschaft Esslingen. Ärger zwischen Hausbesitzern und Mietern ist da programmiert. Für Objektivität und damit auch für weniger Streit soll der Mietspiegel sorgen, der alle zwei Jahre neu aufgelegt wird. Früher wurde der von der Stadt finanziert, inzwischen übernehmen Unternehmen aus der Wohnungswirtschaft sowie Hauseigentümer- und Mietervereine den Großteil der Kosten. Grundlage des Mietspiegels ist eine schriftliche Befragung, die alle vier Jahre durchgeführt wird. Zuletzt haben sich im Jahr 2009 mehr als 600 Mieter aus Esslingen daran beteiligt. Damit die Werte so aktuell wie möglich bleiben, werden sie nach zwei Jahren um die allgemeine Preissteigerung erhöht, diesmal um 3,6 Prozent. Für den nächsten Mietspiegel, der 2014 erscheint, gibt es dann wieder eine neue Erhebung.Mithilfe des Mietspiegels lässt sich die ortsübliche Miete einer Immobilie relativ exakt ermitteln. Er berücksichtigt nicht nur Größe und Baujahr einer Wohnung, durch ein Punktesystem können auch Ausstattung und Lage in die Bewertung mit einfließen. Im Internet kann man die ortsübliche Miete mit wenigen Klicks sogar bequem online berechnen lassen (siehe Anhang).
[f|"Kritik an Wohnraumförderung"]
„Der Mietspiegel dient dazu, Markttransparenz herzustellen und sich einen objektiven Überblick zu verschaffen“, erklärt Udo Casper, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes im Landkreis Esslingen. Für Vermieter sei er ebenfalls unverzichtbar, ergänzt Hermann Falch vom Verein Haus und Grund: „So können sie auch eine Mieterhöhung sauber begründen.“ Unternehmen wie die Esslinger Wohnungsbau (EWB) nutzen die Daten regelmäßig, um ihre Mieten zu kalkulieren. Auch Gerichte greifen auf den Mietspiegel zurück, wenn zum Beispiel ein Bewohner gegen eine Mieterhöhung klagt.
So wird Mietwucher eingedämmt, der Mangel an günstigem Wohnraum bleibt allerdings. Dem könnte aus Sicht von Udo Casper nur die Landesregierung durch entsprechende Förderprogramme entgegensteuern: „Der angekündigte Politikwechsel ist bis jetzt aber noch nicht in der Realität angekommen“, kritisiert der Mietervertreter. Auch Christian Brokate hält die Wohnraumförderung des Landes bis jetzt für wenig attraktiv, weil die Zuschüsse aus seiner Sicht mit zu vielen Auflagen verknüpft sind. Die Baugenossenschaft nehme deshalb im Augenblick keine Landesförderung in Anspruch.
Der neue Mietspiegel kann in gedruckter Form für 5 Euro im Bürgerbüro der Stadt sowie über den Verein Haus & Grund und den Deutschen Mieterbund bezogen werden. Unter www.esslingen.de kann man ihn kostenlos als pdf-Datei herunterladen.
Im Internet kann man die ortsübliche Miete für eine Wohnung online bestimmen unter www.mietenberechner.net/esslingen2012/default.asp
Artikel vom 01.03.2012 © Eßlinger Zeitung
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Wärmedämmung und soziale Verantwortung
17.02.2012[f|"Bei Mieterhöhungen Verantwortung zeigen"]
Durch die Wärmedämmung erhöhen sich auch im öffentlichen Wohnungsbau die Preise
Dass sich durch Wärmeisolierung viel Energie einsparen lässt, das wissen auch die Träger des öffentlichen Wohnungsbaus. Die Baugenossenschaft Esslingen, die Esslinger Wohnungsbau und die Flüwo nehmen viel Geld in die Hand, um ihren Bestand energetisch zu sanieren. Steigende Kaltmieten sind die Folge. Doch achtet man auf sozial verträgliche Mieterhöhungen.
Von Dagmar Weinberg
Im vergangenen Jahr hat die Baugenossenschaft Esslingen (BGE) ihre 3100 Wohnungen im Stadtgebiet von einem Fachmann untersuchen lassen. „Uns ging es darum, den Ist-Zustand zu erfassen und dann eine Reihenfolge für anstehende Sanierungen festzulegen“, erklärt BGE-Vorstand Christian Brokate. Die Neubauten haben natürlich gut abgeschnitten. Auch um ältere Häuser, die vor Jahren renoviert wurden, brauche man sich vorerst nicht zu kümmern. „Wenn ich bereits acht Zentimeter Dämmung drauf habe, muss ich da im Augenblick nicht noch mehr draufpacken“, sagt BGE-Vorstand Oliver Kulpanek. Für manche Gebäude bedeutete die Untersuchung allerdings das Aus. So war schnell klar, dass sich eine Sanierung der 50er-Jahre-Häuser in der Oberesslinger Damaschkestraße nicht mehr lohnen würde. Anders sieht es in den Lerchenäckern aus. Dort hat die Baugenossenschaft in der Hegensberger Straße und der Brandenburger Straße drei Wohnblocks aus den 60er-Jahren dick eingepackt, komplett renoviert und Sonnenkollektoren sowie eine Fotovoltaikanlage aufs Dach gesetzt. Mussten die Mieter vorher 4,12 Euro pro Quadratmeter berappen, stieg die Kaltmiete jetzt auf 6,62 Euro. „Damit liegen wir deutlich unter dem Esslinger Mietspiegel,“ macht Christian Brokate klar und verweist darauf, dass „eine Mieterhöhung von 3,60 Euro kostendeckend gewesen wäre“. Von den Mitgliedern der BGE gebe es bisher nur positive Rückmeldungen. „Die Leute wohnen ja jetzt praktisch in einem neuen Haus, und das wissen sie zu schätzen“, sagt Oliver Kulpanek. Wie sich die energetische Sanierung auf die Nebenkosten auswirkt, kann er nicht sagen. Da direkt mit den Versorgern abgerechnet wird, „wissen wir ja nicht, was sie vorher ausgegeben haben“. Die Erfahrung zeige aber, „dass der Energieverbrauch um rund 40 Prozent sinkt“.Mitunter sind es sogar mehr. Die Flüwo hat vor einigen Jahren ihre vier Hochhäuser in der Pliensauvorstadt komplett modernisiert und energetisch saniert. „Der Gesamtenergieverbrauch in den vier Hochhäusern hat sich durch die Modernisierung um rund 67 Prozent reduziert“, berichtet Dominik Ottmar, der in dem Wohnbauunternehmen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Das zeige der Vergleich der durchschnittlichen Verbrauchswerte der Jahre 2004 und 2010.
[f|Zinsgünstige Darlehen]
Auch in den Hochhäusern in der Stuttgarter Straße 42 bis 48 sind nach der Sanierung die Mieten gestiegen: um durchschnittlich 11,6 Prozent. „Da wir uns unserer sozialen Verantwortung bewusst sind, schöpfen wir den bei Mieterhöhungen gesetzlich möglichen Rahmen nicht aus.“
Dieses Prinzip gilt auch bei der Esslinger Wohnungsbau, die in den vergangenen Jahren kräftig in die energetische Sanierung ihres Bestands investiert hat. „Man muss bei Mieterhöhungen Verantwortung zeigen“, erklärt Prokurist Oliver König. Wie die Baugenossenschaft hat die EWB vor ein paar Jahren alle Gebäude auf den Prüfstand gestellt und eine Prioritätenliste angelegt. Auf der standen auch die EWB-Häuser in der Boßlerstraße sowie im Reußensteinweg auf dem Zollberg. Im Reußensteinweg, wo mit einer Biogasanlage geheizt wird, „haben wir den durch die Energieeinsparverordnung vorgegebenen Standard sogar um 30 Prozent unterschritten“, berichtet Prokurist Oliver König. Da man sich bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau ein zinsgünstiges Darlehen gesichert hat, „konnten wir die Mieter entlasten“. So stieg der Mietpreis von 4,30 Euro auf 6 Euro pro Quadratmeter. „Gesetzlich wäre eine Erhöhung auf 8 Euro pro Quadratmeter möglich gewesen“, erklärt Oliver König.
Nach Abschluss der Sanierung wurde nicht nur ein Mieterfest gefeiert. Man hat die Bewohner auch befragt. Zwar vermisse der eine oder andere die alten Kippfenster. „Aber die Leute sind sehr zufrieden, und Kündigungen oder eine größere Fluktuation wegen der höheren Miete gibt es nicht.“
Artikel vom 17.02.2012 © Eßlinger Zeitung
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Bethlehem-Areal in Mettingen
25.11.2011[f|"Hübsch, aber unbezahlbar"]
Das Quartier, das vor 100 Jahren an der Ruländer- und Ludwigstraße entstanden ist, gehört zu den reizvollsten Ensembles des Stadtteils. Aus diesem Grund wehren sich Bürgerausschuss und viele Mettinger gegen den drohenden Abbruch der Anlage, für deren Namen es keine schlüssige Erklärung gibt. Allerdings schwindet die Hoffnung, die Adresse erhalten zu können. So sagt Heike Dinkelaker: „Die wirtschaftlichen Zwänge der Baugenossenschaft sind auch uns klar. Ich fürchte, dass nicht mehr viel zu ändern ist.“ Die stellvertretende Vorsitzende des Bürgerausschusses, die sich als Sprecherin der Arbeitsgruppe Bauwesen intensiv mit der Zukunft des Karrees beschäftigt, will trotzdem am Ball bleiben. Sie wirbt dafür, wenigstens Teile der Gebäude in der Ludwigstaße zu erhalten. Sollte es zum Abbruch kommen, will sie ihn nur unter einer Bedingung akzeptieren: „Dann muss die Grundstruktur der Anlage mit dem Innenhof und den Bäumen aufgenommen werden.“
Oliver Kulpanek, Vorstandsmitglied der Baugenossenschaft, fasst bereits den Neuanfang ins Auge. Nachdem sich das Unternehmen von dem Standort trennen will, laufen erste Gespräche mit Investoren. „Keiner von ihnen ist bereit, das Ensemble zu erhalten“, teilt er mit. Vielmehr kristallisiert sich heraus, dass die Interessenten den Neubau eines Pflegestützpunkts verfolgen, den sie mit Seniorenwohnungen ergänzen wollen. Kulpanek versichert, dass die Baugenossenschaft großen Wert auf die Folgen für Mettingen legt und folglich auch bereit ist, das Vorgehen eng mit Bürgerausschuss und Stadt abzustimmen. „Wir wollen eine sinnvolle Nutzung, die zur Ortsmitte passt“, sagt er. Dazu gehört für ihn die feste Absicht, die alte Grundstruktur exakt zu übernehmen. Das bedeutet, dass der schöne Innenhof mit dem wertvollen Baumbestand nicht angetastet werden soll.
[f|"Sanierung teurer als Neubau"]
Die Baugenossenschaft bleibt zwar grundsätzlich offen für Investoren, die sich einen Erhalt der Gebäude auf die Fahnen schreiben. „Ich halte es aber für völlig unrealistisch, dass sich ein solcher Partner noch findet“, fügt das Vorstandsmitglied hinzu. Er stützt sich auf ein Gutachten des Architekten Dieter Raichle. der mit dem Auftrag an die Arbeit gegangen ist, das Quartier zu erhalten. Während Raichle in Stuttgart, München und anderen Städte solche Herausforderungen im sozialen Mietwohnungsbau problemlos bewältigt hat, musste er in Mettingen abwinken. „Eine Sanierung käme teurer als ein Neubau“, sagt er. Investitionen in Höhe von acht Millionen Euro würden zu Mietpreisen von zwölf Euro und mehr pro Quadratmeter führen. Zum Vergleich: Die Spitzenmieten der Baugenossenschaft liegen bisher bei 7,50 Euro. Gegen einen solchen Kraftakt spricht aus Raichles Sicht ein weiteres Argument: „Der riesige Aufwand würde nichts daran ändern, dass wir Wohnungen mit sehr unattraktiven Zuschnitten bekämen“. Auch die Probleme mit dem Schallschutz, die aus Holzböden resultieren, würden in diesem Fall fortbestehen.
Raichle ist über dieses Ergebnis nicht glücklich. Auch er teilt die Auffassung, dass es sich um qualitätsvolle Architektur handelt. Solche Vorzüge ändern allerdings nichts an den erheblichen Defiziten der Wohnungen. Nur mit großen Abstrichen lasse sich der Verzicht auf Heizungen, Bäder und Balkone nachträglich korrigieren. Das gelte auch für die Zimmergrößen der 73 Wohnungen. Am Grundproblem hätte nach seiner Überzeugung auch nichts geändert, wenn die Baugenossenschaft sich viel früher um die Anlage gekümmert hätte. „Früher oder später wäre die Entscheidung zu treffen gewesen, dass diese Anlage keine Zukunft hat“, so Raichle.
Artikel vom 25.11.2011 © Eßlinger Zeitung - Hermann Dorn
[f|KOMMENTAR]
[f|"Unausweichlich"]
Nur die reizvolle Fassade ist stehen geblieben, als ein Investor in München kürzlich eine alte Wohnanlage übernommen hat. Hinter der Kulisse sind völlig neue Wohnungen entstanden. Solche Anstrengungen haben ihren Preis. Mehr als 6000 Euro pro Quadratmeter blätterten die Käufer in der vornehmen Wohngegend für eines der begehrten Objekte hin. Eine ähnliche Rettungsaktion dürfte sich in der Mettinger Ortsmitte kaum wiederholen lassen. Der riesige Aufwand für eine so anspruchsvolle Erhaltung des äußeren Bilds wird sich direkt neben einer stark befahrenen Straße und dem Bahnhof für keinen Investor rechnen. Das Aus für das Bethlehem-Areal, das nach den vorliegenden Erkenntnissen unausweichlich sein dürfte, mag bedauerlich sein. Die Gegner eines Abbruchs kommen aber an den Argumenten der Baugenossenschaft und ihres Gutachters nicht vorbei. Auch für sie stellt sich die vorrangige Aufgabe, mit Augenmaß eine neue Entwicklung vorzubereiten. Die Nachricht, dass die Grundstruktur und vor allem der Innenhof erhalten werden, weist in die richtige Richtung. Wichtig bleibt aber, dass die Baugenossenschaft ihr Versprechen erfüllt und Stadt sowie Bürgerausschuss mit ins Boot nimmt. Oberstes Ziel muss eine qualitätsvolle Lösung für den Stadtteil sein. Dieser Herausforderung könnten die Beteiligten mit einem planerischen Wettbewerb am Besten gerecht werden.
Artikel vom 25.11.2011 © Eßlinger Zeitung - Hermann Dorn
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Vertretertag
07.11.2011[f|"Neue Informationspolitik kommt gut an"]
Die Baugenossenschaft Esslingen (BGE) geht mit einem Vertretertag neue Wege. „Die Informationen, die im Rahmen der jährlichen Vertreterversammlung vermittelt werden, sehen wir als nicht ausreichend an“, erklärt Vorstandsmitglied Oliver Kulpanek die Entscheidung für einen zusätzlichen Termin. Für ihn und auch Vorstandsmitglied Christian Brokate handelt es sich um eine konsequente Fortsetzung der jüngsten Unternehmenspolitik, zu der im Frühjahr bereits ein Termin für die Mitglieder gehört hat. „Was den Mitgliedern recht ist, das wollen wir auch für die Vertreter anbieten“, so Brokate. Das Echo unter den 74 Vertretern und 26 Ersatzvertretern, die im Sommer von den fast 7 400 Mitgliedern gewählt worden sind, war beachtlich. Die meisten waren der Einladung gefolgt.Der Tag begann mit einer 90-minütigen Information. Zunächst wurden vor allem für die neuen Vertreter die rechtlichen Grundlagen und die Rechte und Pflichten der einzelnen Organe der Baugenossenschaft dargestellt. Anschließend ging es um die aktuellen Entwicklungen in der BGE. Brokate verteidigte den Verkauf von Immobilien. Er sei intensiv diskutiert worden. „Wir haben nichts zu verbergen“, so Kulpanek. Verkäufe im Rahmen einer Bereinigung des Immobilienbestands seien ein völlig normaler Vorgang. Das zeige auch ein Blick auf andere Unternehmen, die in absoluter räumlicher Nähe zur BGE seit Jahren solche Lösungen wählten. Im Anschluss führte eine Bus-Rundfahrt durch Esslingen, die fast alle Objekte der BGE berücksichtigte. „Wir wollen allen Teilnehmern den Gesamtbestand zeigen“, so Brokate. Vor allem in den vergangenen Jahren habe man massiv in die Renovierung und Sanierung investiert, so allein in diesem Jahr mehr als sechs Millionen Euro in den Lerchenäckern. In bewohntem Zustand und in Rekordzeit habe man dort die Zukunftsfähigkeit des Bestands gesichert.Ab Nachmittag hatte der Flughafen für die BGE-Vertreter ein Besichtigungsprogramm organisiert - ein Blick hinter die Kulissen, den man sonst nicht bekommt. Alle Reaktionen, die beim Vorstand nach dem Vertretertag angekommen sind, waren durchweg positiv. Einhellige Meinung sei gewesen: Wer nicht dabei war, ist selbst schuld. Kulpanek sieht sich ermutigt: „Wir werden Informationsveranstaltungen für Mitglieder und Vertreter in Zukunft regelmäßig durchführen.“
Artikel vom 07.11.2011 © Eßlinger Zeitung
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