Baugenossenschaft kommt nicht zur Ruhe

Eßlinger Zeitung 12.07.2012

ESSLINGEN: Die Bilanz kann sich sehen lassen, doch noch immer rumort es zwischen Vorstand und Vertretern

Die Baugenossenschaft (BG) hat im vergangenen Jahr zahlreiche Wohnungen saniert, den Leerstand um ein Fünftel reduziert und 145 000 Euro Gewinn erwirtschaftet. Dennoch ist nach den großen Unruhen in den vergangenen Jahren und dem Wechsel im Vorstand bisher keine Harmonie eingekehrt. Die Vertreterversammlung entlastete den Vorstand kürzlich zwar mit einer Mehrheit von 32 Ja-Stimmen, doch 15 Vertreter verpassten Oliver Kulpanek und Christian Brokate mit ihrem Nein eine Ohrfeige.

Von Doris Brändle

Hauptkritikpunkt einiger Mitgliedervertreter sind die Mieterhöhungen, die vor allem für alte Menschen mit geringer Rente sehr schmerzhaft sind. In unsanierten Altbauten wie in den Lerchenäckern in Oberesslingen, die teilweise weder ein Bad noch eine Zentralheizung hatten, zahlten die Mieter bisher rund drei Euro pro Quadratmeter. Jetzt, nach der Großsanierung der 116 Wohnungen, ist der Standard zwar laut Vorstand Oliver Kulpanek deutlich gestiegen und sind die Energiekosten drastisch gesunken - dennoch ist es für viele Mieter schwierig, im Monat 100 Euro oder mehr als bisher zu berappen. Einige Mitgliedervertreter fürchten, dass das Ziel der Baugenossenschaft, auch Wohnraum für ärmere Menschen zu schaffen, aus dem Fokus gerät.
Für Oliver Kulpanek ist das nicht nachvollziehbar. „Wir wollen Mietwohnungsbau im sozialverträglichen Rahmen schaffen“, sagt er. Der Esslinger Mietspiegel weise im Durchschnitt einen Quadratmeterpreis von 7,16 Euro aus - damit liege die Baugenossenschaft mit ihren 5,42 Euro noch immer um ein Viertel darunter.
Klar ist aber, dass ein Projekt wie der Klarissenhof, der zwischen Finanzamt und Ebershaldenfriedhof entsteht, diesen Durchschnittspreis nach oben treiben wird. In dem Quartier werden 120 Wohnungen teilweise saniert und teilweise neu gebaut. Zunächst war vorgesehen, die 70 neuen Objekte im Innenhof zu verkaufen. Doch der neue Vorstand hatte den Kurs korrigiert und beschlossen, auch die neuen Wohnungen an die Mitglieder zu vermieten. Aus dem Bauträgergeschäft ist die BG inzwischen ganz ausgestiegen. Die neuen Wohnungen im Klarissenhof sollen Ende 2013 fertig sein und für 9,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden. „Unter diesem Standard kann man nicht neu bauen“, sagt Vorstand Christian Brokate.

Alternativgrundstück fürs Pflegeheim

Um Sanierungen wie in den Lerchenäckern oder jetzt in den Gebäuden an der Ecke Tobias-Mayer-Straße/ Am Schönen Rain zu finanzieren, verkauft die Baugenossenschaft immer wieder Immobilien. In der Damaschkestraße in der Gartenstadt ist die BG zum Schluss gekommen, dass die Häuser mit ihren rund 120 Wohnungen keine Zukunft haben. Die meisten Mieter sind bereits ausgezogen. „Wir unterstützen sie dabei, wo es geht“, sagt Kulpanek. Jetzt sucht die BG in einem Bieterverfahren nach einem Käufer. Das erbost den Oberbürgermeister. Wie berichtet, forderte er mehr Rücksicht auf die städtischen Pläne, auf diesem Grundstück ein Pflegeheim zu bauen. Die BG hält an ihrem Bietverfahren zwar weiter fest, bemüht sich aber, die Wogen zu glätten. „Wir haben ein gutes Alternativgrundstück in Oberesslingen, das wir der Stadt anbieten“, sagt Brokate. Genaueres will er dazu noch nicht sagen.
Auch das Bethlehem-Areal in Mettingen soll verkauft werden. Die Bieterfrist ist zwar bereits abgelaufen, doch die potenziellen Käufer bekommen über die Sommerferien noch einmal Zeit, ihre Konzepte nachzuarbeiten. „Wir wollen etwas, was den Stadtteil stärkt“, sagt Brokate. Eins der Konzepte sehe beispielsweise einen dezentralen Pflegestützpunkt vor.
Mit den Verkäufen will die Baugenossenschaft Rücklagen bilden. „Wir zahlen zurzeit 1,5 Millionen Zinsen im Jahr. Das ließe sich mit mehr Eigenkapital vermeiden“, erklärt Brokate. Erfreut ist er deshalb auch, dass die Vertreterversammlung sich dafür ausgesprochen hat, den Gewinn von 145 000 Euro ins Geschäft zu stecken statt eine Dividende auszuschütten.

Die Baugenossenschaft hat 7300 Mitglieder und 3100 Wohnungen.

Artikel vom 12.07.2012 © Eßlinger Zeitung


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