Ein Wohncafé für die Zollberger

Eßlinger Zeitung 07.02.2013

2013 02 07 EZ_BILD_Ein Wohncafé für die Zollberger
ESSLINGEN: Der Verein Integrative Wohnformen engagiert sich dafür, dass ältere Mieter möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld leben können

Bevor sich der neue Rewe-Markt in den Wohnblock Zollernplatz 7 und 9 geschoben hat, war diese Immobilie der Esslinger Wohnungsbau GmbH (EWB) schon einmal eine wichtige Adresse für den gesamten Stadtteil. Bis zum Sommer soll sie wieder an Bedeutung gewinnen. Denn wo bis zum Neubau des Zentrums Zollberg ein kleinerer Lebensmittelmarkt und eine Arztpraxis ihren Lager- beziehungsweise Mitarbeiterraum hatten, soll bald ein Wohncafé für alle Bewohner des Stadtteils seine Türen öffnen.

Von Claudia Bitzer

Das 90 Quadratmeter große Begegnungsangebot richtet sich ausdrücklich an alle Zollbergerinnen und Zollberger. Besonders interessant ist es jedoch für all diejenigen, die mit dem Stadtteil in die Jahre gekommen sind und jetzt Unterstützung oder eine barriereärmere Wohnung brauchen. „Wir haben uns immer wieder überlegt, wie wir unsere ältere Mieter mit Serviceleistungen so versorgen können, dass sie hier länger wohnen können“, so Oliver König von der EWB.

Sieben Projekte laufen bereits

Möglich wird das durch das Zusammenspiel der drei großen Wohnungsunternehmen EWB, Baugenossenschaft Esslingen und Flüwo, die zusammengerechnet knapp 1000 Wohnungen in Esslingens jüngstem Stadtteil halten. Sie sind Mitglieder im Verein Integrative Wohnformen, den 13 Stuttgarter Wohnungsunternehmen 2008 gegründet hatten, um Wohnprojekte für Seniorinnen und Senioren im Großraum Stuttgart ins Leben zu rufen. Dieser Verein hat mittlerweile bereits sieben solcher Projekte auf die Beine gestellt, die alle nach demselben Grundprinzip verfahren: An zentraler Stelle eines Stadtteils wird ein Café eingerichtet, für das ein Kooperationspartner, in der Regel ein ambulanter Dienstleister, die Schlüsselgewalt hat. Zu festen Zeiten ist er dort in einem eigenen Büroraum präsent und erster Ansprechpartner für alle möglichen Wehwehchen und größeren Schmerzen. Je nach Kooperationspartner ist das Angebot von Standort zu Standort verschieden. „Hier auf dem Zollberg sind die Johanniter unsere Partner“, erläutert Joachim Giehrl von dem gemeinnützigen Verein. In dem Wohncafé können sich die Zollberger nämlich nicht nur zwanglos treffen. Man bekommt dort auch erste Informationen, wo man hauswirtschaftliche oder pflegerische Dienste in Anspruch nehmen kann oder an wen man sich wenden muss, wenn man für sich selbst oder einen Angehörigen die Eingruppierung in eine Pflegestufe beantragen will. Zugleich bietet das Netzwerk zwischen ambulantem Dienstleister, Verein und Wohnungsunternehmen die Möglichkeit, die jeweilige Wohnung dem tatsächlichen Bedarf des Mieters anzupassen. Die Umbauten werden je nach Pflegestufe zumindest teilweise aus der Pflegekasse finanziert. Sodass die Wohnungen für die Mieter - je nach Investitionsbedarf - unter Umständen gar nicht oder nur geringfügig teurer werden. „Wir wollen schließlich, dass die Menschen möglichst lange in ihren Wohnungen leben können“, sagen auch Walter Rienesl von der Baugenossenschaft und Nina Weigl von der Flüwo.

Chancen für Mieter und Vermieter

„Wenn wir die Bedürfnisse unserer Mieter genau kennen, könnten wir mit so einer finanziellen Unterstützung zum Beispiel auch vier Wohnungen eines 20 Einheiten großen Blocks mit einem Aufzug an der Außenseite des Giebels verbinden“, verdeutlicht König die Chancen des Projekts. Zudem will der Verein ein Wohnungsportal einrichten, in dem die freien Mietbestände der Wohnungsunternehmen und ihre Alterstauglichkeit für Interessenten festgehalten sind.
Für die Johanniter, die nach der offiziellen Ausschreibung auf dem Zollberg zum Zuge gekommen sind, sind die Besucher zwar keine garantierten Kunden. Denn von wem die Mieter am Ende ihre Hilfeleistungen holen, ist ihnen nach wie vor selbst überlassen. Aber als erster Ansprechpartner im Café haben sie schon einen gewissen Heimvorteil. „Zumal wir von der ambulanten Pflege über den Menü- bis zum Fahrdienst alles aus einer Hand anbieten können“, so Oliver Cosalter, Esslinger Dienststellenleiter der Johanniter-Unfall-Hilfe. Was sonst noch so alles in dem Café läuft, hängt von den Menschen vor Ort ab. Im Verein hat man die Erfahrung gemacht, dass es etwa ein gutes halbes Jahr braucht, bis sich ehrenamtliche Strukturen fester formiert haben. Möglich ist vieles: vom Mittagessensangebot über Vorträge bis zu Veranstaltungen.
Etwa 150 000 Euro lässt sich die EWB die Baumaßnahmen fürs Café kosten, wobei etwa 50 000 Euro auf die spezifische Nutzung der Räume und ihre behindertenfreundliche Ausstattung entfallen. Diesen Posten wollen sich die drei Wohnunternehmen teilen. Und noch ein Nachtrag: Das Projekt könnte durchaus Vorbote für vergleichbare Angebote in anderen Stadtteilen sein.

www.integrative-wohnformen.de

Artikel vom 07.02.2013 © Eßlinger Zeitung

Den Artikel finden Sie ebenfalls hier als PDF- Dokument.



AKTUELLES


NEU: Juniorsparen

1,25 % Zins p. a.


Das Sparkonto für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.
Weitere Angebote, Bedingungen und Infos finden Sie in der Rubrik „Sparen“.

Oder rufen Sie uns an:
0711 - 35 17 67-10

INFORMATIONEN


Kurzbericht "Geschäftsjahr 2016" mehr
TV-Interview mit Alexandra Schäfer. mehr
Im Juni 2017 endet das analoge Fernsehen mehr