Wärmedämmung und soziale Verantwortung

Eßlinger Zeitung 17.02.2012

"Bei Mieterhöhungen Verantwortung zeigen"
Durch die Wärmedämmung erhöhen sich auch im öffentlichen Wohnungsbau die Preise
Dass sich durch Wärmeisolierung viel Energie einsparen lässt, das wissen auch die Träger des öffentlichen Wohnungsbaus. Die Baugenossenschaft Esslingen, die Esslinger Wohnungsbau und die Flüwo nehmen viel Geld in die Hand, um ihren Bestand energetisch zu sanieren. Steigende Kaltmieten sind die Folge. Doch achtet man auf sozial verträgliche Mieterhöhungen.

Von Dagmar Weinberg

Im vergangenen Jahr hat die Baugenossenschaft Esslingen (BGE) ihre 3100 Wohnungen im Stadtgebiet von einem Fachmann untersuchen lassen. „Uns ging es darum, den Ist-Zustand zu erfassen und dann eine Reihenfolge für anstehende Sanierungen festzulegen“, erklärt BGE-Vorstand Christian Brokate. Die Neubauten haben natürlich gut abgeschnitten. Auch um ältere Häuser, die vor Jahren renoviert wurden, brauche man sich vorerst nicht zu kümmern. „Wenn ich bereits acht Zentimeter Dämmung drauf habe, muss ich da im Augenblick nicht noch mehr draufpacken“, sagt BGE-Vorstand Oliver Kulpanek. Für manche Gebäude bedeutete die Untersuchung allerdings das Aus. So war schnell klar, dass sich eine Sanierung der 50er-Jahre-Häuser in der Oberesslinger Damaschkestraße nicht mehr lohnen würde. Anders sieht es in den Lerchenäckern aus. Dort hat die Baugenossenschaft in der Hegensberger Straße und der Brandenburger Straße drei Wohnblocks aus den 60er-Jahren dick eingepackt, komplett renoviert und Sonnenkollektoren sowie eine Fotovoltaikanlage aufs Dach gesetzt. Mussten die Mieter vorher 4,12 Euro pro Quadratmeter berappen, stieg die Kaltmiete jetzt auf 6,62 Euro. „Damit liegen wir deutlich unter dem Esslinger Mietspiegel,“ macht Christian Brokate klar und verweist darauf, dass „eine Mieterhöhung von 3,60 Euro kostendeckend gewesen wäre“. Von den Mitgliedern der BGE gebe es bisher nur positive Rückmeldungen. „Die Leute wohnen ja jetzt praktisch in einem neuen Haus, und das wissen sie zu schätzen“, sagt Oliver Kulpanek. Wie sich die energetische Sanierung auf die Nebenkosten auswirkt, kann er nicht sagen. Da direkt mit den Versorgern abgerechnet wird, „wissen wir ja nicht, was sie vorher ausgegeben haben“. Die Erfahrung zeige aber, „dass der Energieverbrauch um rund 40 Prozent sinkt“.Mitunter sind es sogar mehr. Die Flüwo hat vor einigen Jahren ihre vier Hochhäuser in der Pliensauvorstadt komplett modernisiert und energetisch saniert. „Der Gesamtenergieverbrauch in den vier Hochhäusern hat sich durch die Modernisierung um rund 67 Prozent reduziert“, berichtet Dominik Ottmar, der in dem Wohnbauunternehmen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Das zeige der Vergleich der durchschnittlichen Verbrauchswerte der Jahre 2004 und 2010.

Zinsgünstige Darlehen
Auch in den Hochhäusern in der Stuttgarter Straße 42 bis 48 sind nach der Sanierung die Mieten gestiegen: um durchschnittlich 11,6 Prozent. „Da wir uns unserer sozialen Verantwortung bewusst sind, schöpfen wir den bei Mieterhöhungen gesetzlich möglichen Rahmen nicht aus.“
Dieses Prinzip gilt auch bei der Esslinger Wohnungsbau, die in den vergangenen Jahren kräftig in die energetische Sanierung ihres Bestands investiert hat. „Man muss bei Mieterhöhungen Verantwortung zeigen“, erklärt Prokurist Oliver König. Wie die Baugenossenschaft hat die EWB vor ein paar Jahren alle Gebäude auf den Prüfstand gestellt und eine Prioritätenliste angelegt. Auf der standen auch die EWB-Häuser in der Boßlerstraße sowie im Reußensteinweg auf dem Zollberg. Im Reußensteinweg, wo mit einer Biogasanlage geheizt wird, „haben wir den durch die Energieeinsparverordnung vorgegebenen Standard sogar um 30 Prozent unterschritten“, berichtet Prokurist Oliver König. Da man sich bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau ein zinsgünstiges Darlehen gesichert hat, „konnten wir die Mieter entlasten“. So stieg der Mietpreis von 4,30 Euro auf 6 Euro pro Quadratmeter. „Gesetzlich wäre eine Erhöhung auf 8 Euro pro Quadratmeter möglich gewesen“, erklärt Oliver König.
Nach Abschluss der Sanierung wurde nicht nur ein Mieterfest gefeiert. Man hat die Bewohner auch befragt. Zwar vermisse der eine oder andere die alten Kippfenster. „Aber die Leute sind sehr zufrieden, und Kündigungen oder eine größere Fluktuation wegen der höheren Miete gibt es nicht.“

Artikel vom 17.02.2012 © Eßlinger Zeitung



Den Artikel finden Sie ebenfalls hier als PDF- Dokument.

Zurück

AKTUELLES


NEU: Juniorsparen

1,25 % Zins p. a.


Das Sparkonto für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.
Weitere Angebote, Bedingungen und Infos finden Sie in der Rubrik „Sparen“.

Oder rufen Sie uns an:
0711 - 35 17 67-10

INFORMATIONEN


Kurzbericht "Geschäftsjahr 2016" mehr
TV-Interview mit Alexandra Schäfer. mehr
Im Juni 2017 endet das analoge Fernsehen mehr