Ein Bonus für die neuen Mieter

Eßlinger Zeitung 10.11.2012

ESSLINGEN: Baugenossenschaft fördert Beitritt zum Mieterbund - Bundesweit einmaliges Projekt

Wenn es um den Wunsch geht, den Hausfrieden zu pflegen, kennt die Baugenossenschaft Esslingen keine Berührungsängste. Ab sofort fördert sie aktiv die Mitgliedschaft im Mieterbund. Begründet wird die ungewöhnliche Partnerschaft mit dem Ziel, Konflikte möglichst auf einer sachlichen Ebene zu klären.

Von Hermann Dorn

Hinter der Baugenossenschaft liegen schwierige Zeiten. Der Generationenwechsel an der Spitze hat tiefe Wunden gerissen. In diesem Zusammenhang ist auch die Geschäftspolitik in die Kritik geraten. Der Umgang mit Leerständen und langjährigen Mitgliedern sorgte ebenso für Wirbel wie die Entwicklung der Mieten. Nachdem sich das Unternehmen wieder in ruhigeren Fahrwassern bewegt, bemüht sich der Vorstand jetzt mit Unterstützung des Mieterbunds um einen weiteren Beitrag, das Klima zu verbessern. Vorstandsmitglied Christian Brokate formuliert das Ziel so: „Wir haben großes Interesse an einem guten Verhältnis zu unseren Mitgliedern. Etwaige Probleme wollen wir ohne Streit ausräumen.“

Die Baugenossenschaft stellt mit der Partnerschaft klar, dass sie Mietgesetze ebenso wie die aktuelle Rechtsprechung akzeptiert. Dazu gehört die Versicherung, berechtigte Kritik anzunehmen und Entscheidungen zu korrigieren. Wenn sich Streitpunkte nicht ausräumen lassen, sollen aber auch in Zukunft die Gerichte entscheiden. „Für uns geht es nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um Rechtssicherheit“, betont Vorstandsmitglied Oliver Kulpanek. Wie die Zusammenarbeit der Zukunft aussehen kann, veranschaulicht er am Beispiel der neuen Hausordnung, die gegenwärtig vorbereitet wird. Sie soll im Vorfeld mit dem Mieterbund abgeklärt werden. Etwaige Einwände will die Genossenschaft prüfen.

15 Gerichtstermine pro Jahr

Juristische Auseinandersetzungen über Nebenkosten, Miethöhe oder Hausordnungen gehören für die Baugenossenschaft zur Ausnahme. Pro Jahr begegnet sie nur 15 der 3100 Mieter vor Gericht. Brokate weiß aber, dass es immer wieder Klärungsbedarf gibt. In diesem Zusammenhang räumt er Fehler ein, „die uns mitunter unterlaufen“. In allen Fällen hält er es für hilfreich, wenn sich die Mitglieder an den Mieterbund wenden. „Das gehört zur fairen Auseinandersetzung.“

Solche Aufgeschlossenheit für die unabhängige Beratung lässt sich die Baugenossenschaft etwas kosten. Ab sofort fördert sie den Beitritt zum Mieterbund. Neue Mieter - in der Regel handelt es sich um 250 Verträge pro Jahr - erhalten einen entsprechenden Gutschein. Wer sich für den Mieterbund entscheidet, bezahlt im ersten Jahr nur die Hälfte des Jahresbeitrags, der gegenwärtig bei 68 Euro liegt. Den Rest übernimmt die Baugenossenschaft. Der Mieterbund kündigt an, dass er in diesen Fällen auf die sonst übliche Aufnahmegebühr von 15 Euro verzichtet.

Für Udo Casper, den Vorsitzenden des Mieterbunds, kam der Vorstoß des Unternehmens zunächst überraschend. „In ganz Deutschland gibt es kein Beispiel für eine solche Partnerschaft.“ Dennoch zeigte er sich aufgeschlossen. „Auch wir sind schließlich interessiert, Konflikte ohne große Konfrontation auszuräumen“, so Casper, der beim bundesweiten Dachverband keine Einwände gegen die Zusammenarbeit gehört hat. Er betont gleichzeitig, dass der Mieterbund unabhängig bleibt. Sollte es notwendig sein, werde man auch in Zukunft mit der Baugenossenschaft vor Gericht ziehen.

Casper hat bei der Zusammenarbeit nicht zuletzt die Mitgliederzahlen im Auge. Sie bewegen sich kreisweit im Bereich von 4500 - Tendenz leicht steigend. Da sich die Organisation ausschließlich über Beiträge finanziert, strebt sie weiteren Zuwachs an.

Artikel vom 10.11.2012 © Eßlinger Zeitung


Den Artikel finden Sie ebenfalls hier als PDF- Dokument.

Zurück

AKTUELLES


NEU: Juniorsparen

1,25 % Zins p. a.


Das Sparkonto für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.
Weitere Angebote, Bedingungen und Infos finden Sie in der Rubrik „Sparen“.

Oder rufen Sie uns an:
0711 - 35 17 67-10

INFORMATIONEN


17.10.2017 Unitymedia sortiert die TV-Sender neu mehr
Kurzbericht "Geschäftsjahr 2016" mehr
TV-Interview mit Alexandra Schäfer. mehr