Glückliche Wende für das Bethlehem-Areal

Eßlinger Zeitung 05.12.2012

ESSLINGEN: Der neue Favorit will die Wohnanlage in Mettingen sanieren und mit einer Kindertagesstätte ergänzen

Vor wenigen Wochen galt das Bethlehem-Areal in Mettingen noch als heißer Abbruchkandidat. Umso überraschender kommt die Nachricht, dass die Wohnanlage in der Nähe des Bahnhofs höchstwahrscheinlich doch erhalten wird. Als Investor wird jetzt ein Bieter aus Esslingen favorisiert, der neben zeitgemäßen Wohnungen im Bestand auch den Bau einer Tagesstätte für 40 Kinder plant.

Von Hermann Dorn

Den Ausschlag für die plötzliche Wende hat in den vergangenen Tagen die Bürgermeisterrunde im Rathaus gegeben. Ihr hat die Baugenossenschaft Esslingen als Eigentümerin der Immobilie die entscheidende Rolle in einer Auseinandersetzung zugewiesen, die seit Jahren den Stadtteil Mettingen bewegt. Von der Stellungnahme des Rathauses will sie es abhängig machen, ob sie das fast 100 Jahre alte Ensemble an einen Bieter verkauft, der es weitgehend erhält - oder an einen zweiten Interessenten, der auf Abbruch setzt. Sie selbst sieht sich gegenwärtig nicht in der Lage, an diesem Standort größere Summen in die Hand zu nehmen. Die Stadt hat sich auffallend schwergetan, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Schließlich besitzt das Ensemble mit seinen schmucken Details enormen Charme. Richtig ist aber auch, dass sich die Gebäude mit 72 Wohnungen in desolatem Zustand befinden.

Erste Wahl ist aus Sicht des Rathauses seit einigen Tagen nicht mehr ein Interessent aus Stuttgart, der nach einem Abbruch ein Pflegeheim sowie eine Kindertagesstätte bauen will. Den Vorzug genießt jetzt der Wohnbauunternehmer Ömer Bulut. Er hat sich mit ansprechenden Projekten in Esslingen einen Namen gemacht. Am Roßmarkt und in der Beutau hat er denkmalgeschützte Häuser saniert, die sich nach seiner Aussage in wesentlich schlechterem Zustand als das Bethlehem-Areal befunden haben. „Ich habe die Gebäude untersucht und bin zum Schluss gekommen, dass sie eine Zukunft haben“, sagt er auf Anfrage. Den Meinungsumschwung im Rathaus hat er mit seiner Bereitschaft ausgelöst, die Anlage mit einer Tagesstätte für Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren zu ergänzen. Die Aussicht, dass ein solches Angebot in wenigen Jahren zur Verfügung stehen könnte, lässt auch Bruno Raab-Monz aufhorchen. „Wir haben in Mettingen einen wachsenden Bedarf“, teilt der Leiter des Amts für Sozialwesen mit.

Bürgerausschuss nimmt Einfluss

Die Kombination aus Rettung der Anlage, zeitgemäßem Wohnungsangebot und Kindertagesstätte hält man im Rathaus für so überzeugend, dass der zweite Bieter ins Hintertreffen geraten ist. Im Rathaus heißt es, das Drängen des Bürgerausschusses habe eine wichtige Rolle gespielt. „Die Stadt nimmt den Wunsch im Stadtteil, das Ensemble zu erhalten, sehr ernst“, betont Pressesprecher Roland Karpentier. Obwohl er nur von einer Empfehlung sprechen will und obwohl sich die Baugenossenschaft selbst gestern noch etwas bedeckt hielt, haben Beobachter keine Zweifel, dass die Würfel endgültig gefallen sind. Für diese Einschätzung spricht die Tatsache, dass es zwischen beiden Angeboten keine gravierenden Preisunterschiede geben soll. Zudem hat die Baugenossenschaft offen erklärt, sie könne mit beiden Varianten leben.

Gerd Küpper, der Vorsitzende des Bürgerausschusses Mettingen, Weil und Brühl spricht von einer positiven Entwicklung, die geeignet sei, im Stadtteil zukunftsweisende Akzente zu setzen und für Freude zu sorgen. Er fügt aber auch hinzu: „Wir müssen jetzt noch die endgültige Entscheidung abwarten.“

Bulut kündigt an, dass er nach der jüngsten Weichenstellung sein Konzept konkretisieren will. Die Rede ist im Augenblick von 40 bis 60 Miet- und Eigentumswohnungen. Als Ziel verfolgt er, den Charme der Anlage zu bewahren, gleichzeitig aber energetische Standards von heute zu erfüllen. Erleichtert wird ihm die Arbeit, weil die Adresse zum Sanierungsgebiet Mettingen gehört. Damit winken stattliche Steuervorteile. Der höhere Aufwand, der mit der Sanierung verbunden ist, kann über viele Jahre abgeschrieben werden.

Artikel vom 05.12.2012 © Eßlinger Zeitung

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