Zwei Bieter für das Bethlehem-Areal

Eßlinger Zeitung 06.10.2012

ES-METTINGEN: Baugenossenschaft entscheidet zwischen Neubebauung und Erhalt - Bürgerausschuss will die Anlage bewahren

Über allen Wipfeln ist Ruh: Das so genannte Bethlehem-Areal in Mettingen wartet schon lange auf eine neue Nutzung. Hinter den Kulissen geht das Bieterverfahren derzeit in seine entscheidende Phase.

Das Wohnhaus-Karree an der Ruländer- und Ludwigstraße in Mettingen ist für viele im Stadtteil mehr als nur irgendein Gebäudeensemble. Doch der Zahn der Zeit hat an den historischen Häusern genagt. Weil die Baugenossenschaft Esslingen das Anwesen nicht mehr behalten will, steht es seit einiger Zeit zum Verkauf. Nun geht das Bieterverfahren in die entscheidende Runde - zwei Interessenten mit unterschiedlichen Konzepten sind noch im Rennen. Der Bürgerausschuss favorisiert den Erhalt.

Von Alexander Maier

Als Arbeiter-Kolonie in den Jahren 1913 bis 1922 entstanden, ist der Gebäudekomplex, der nicht unter Denkmalschutz steht, zunehmend ins Abseits geraten: Längst entsprechen die 72 Wohnungen nicht mehr modernen Standards, mit jedem Jahr wurde der Sanierungsbedarf größer. Und so standen immer mehr Wohnungen leer. Nachdem die Baugenossenschaft Esslingen ihren Gebäudebestand unter die Lupe genommen hat, stand fest, dass sie das Ensemble, das im Volksmund „Bethlehem-Areal“ genannt wird, verkaufen will. „Wir haben nichts gegen den Erhalt, doch die dafür erforderliche Sanierung können wir selbst nicht machen“, erklärt Christian Brokate, Vorstand der Esslinger Baugenossenschaft. Deshalb hat das Unternehmen das Anwesen vor geraumer Zeit zum Verkauf angeboten. Nicht zuletzt dank der zentralen Lage im Ortskern und nur einen Steinwurf von der Mettinger Bahnstation entfernt, hatten diverse Interessenten bei der Baugenossenschaft angeklopft. Zuletzt blieben zwei Bieter übrig, deren Angebote nun noch einmal unter die Lupe genommen werden, wobei Brokate nicht nur das Wort der Stadt, sondern auch das des Bürgerausschusses ernst nehmen möchte.

Die Höhe des Angebots dürfte am Ende nicht unbedingt den Ausschlag geben, schließlich sollen beide Bieter dem Vernehmen nach nicht unüberbrückbar weit auseinander liegen. Entscheidend dürfte viel eher sein, welcher von beiden unter dem Strich das überzeugendere Nutzungskonzept für das Areal vorgelegt hat. Während sich der eine Bieter einen Erhalt der bestehenden Gebäude bei entsprechender Sanierung vorstellen könnte, soll der andere eine Neubebauung favorisieren. Die Baugenossenschaft jedenfalls möchte genau hinschauen, wie Vorstandsmitglied Brokate versichert: „Wir haben selbst noch eine ganze Reihe von Wohnungen in der Nachbarschaft - da ist es uns ein großes Anliegen, dass das Areal auch nach dem Verkauf eine vernünftige und möglichst qualitätvolle Nutzung erfährt.“

Dass im Bethlehem-Areal einiges Potenzial steckt, steht für Bauexpertin Heike Dinkelaker schon lange fest. Deshalb verfolgen sie und ihre Mitstreiter im Bürgerausschuss für Mettingen, Brühl und Weil die Entwicklungen sehr aufmerksam. Und sie bleiben bei ihrer Haltung, dass ein Erhalt des historischen Gebäudeensembles wünschenswert wäre. „Wir haben die Baugenossenschaft gebeten, dafür zu sorgen, dass die Bausubstanz nach dem Auszug der Mieter so weit wie möglich erhalten bleibt, damit keine Tatsachen geschaffen werden. Der Bürgerausschuss ist der Ansicht, dass ein Erhalt der Wohnanlage der Neubebauung des Geländes vorzuziehen ist.“

Etwas für die Sozialstruktur tun

Damit wolle man sich nicht gegen den Gedanken wenden, dort eine Altenpflegeeinrichtung mit Seniorenwohnungen zu bauen, versichert Dinkelaker. „So etwas wäre für Mettingen wünschenswert, ist aber nicht auf diesen Standort festgelegt. Wir sehen die Chance, mit einer Sanierung auf dem Bethlehem-Areal bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und dabei gerade an junge Familien zu denken. Das würde der Sozialstruktur des Stadtteils guttun.“ Diese Einschätzung hat der Bürgerausschuss bei den Verantwortlichen im Rathaus schriftlich hinterlegt. Dass die bestehende Bausubstanz zu schlecht für eine Sanierung sein könnte, verneint Heike Dinkelaker als gelernte Architektin: „Da gibt es anderswo sehr viel schlechter erhaltene Gebäude, aus denen sich noch etwas sehr Schönes machen ließ.“

Artikel vom 06.10.2012 © Eßlinger Zeitung


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