Der weite Weg der Baugenossenschaft

Eßlinger Zeitung 03.07.2013

ESSLINGEN: Vorstand sieht erste Erfolge und verteidigt Kurs des Unternehmens - Vertreter erteilen Denkzettel

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Die Baugenossenschaft trennt sich verstärkt von Gebäuden, die sich nicht rechnen. Verkauft hat sie auch das Bethlehem-Areal in Mettingen. Foto: Bulgrin


Von Hermann Dorn

Die Baugenossenschaft Esslingen hat ihren Vertretern eine Bilanz für 2012 vorgelegt, die sich sehen lassen kann. Deutlich weniger Leerstand, beachtliche Fortschritte in der Sanierung, Stärkung des Eigenkapitals - so lauten einige Stichworte. Bis zur angestrebten Zukunftsfähigkeit ist es aber noch ein weiter Weg. Das gilt auch für den Wunsch nach größerer Geschlossenheit. Wie die jüngste Versammlung zeigt, geht nach wie vor ein Riss durch die Genossenschaft.Nur knapp 60 Prozent der Vertreter haben Oliver Kulpanek und Christian Brokate entlastet, die gemeinsam den Vorstand bilden. „Damit muss ich leben“, kommentiert Kulpanek das wenig schmeichelhafte Ergebnis. Der Denkzettel ändert aber nichts an seiner Überzeugung, „dass unser Kurs stimmt“. Er hofft auf wachsende Einsicht bei den Mitgliedern und Vertretern, die nach dem umstrittenen Abschied des früheren Vorstandsvorsitzenden Eugen Arnold vor einigen Jahren die neue Entwicklung misstrauisch verfolgen.Bisher wirbt Kulpanek mit begrenztem Erfolg für einen Kurs, der sich den betriebswirtschaftlichen Herausforderungen stellt. Dazu gehört die Einsicht, dass man sich keine Gebäude leisten kann, mit denen Verluste erzielt werden. Kulpanek nennt die Fortschritte der jüngsten Vergangenheit beachtlich. Statt 300 Wohnungen stünden nur noch 39 leer. Die Anstrengungen, Wohnungen zu sanieren und modernisieren, wurden deutlich erhöht. Gleichzeitig gelang es 2012 wieder, einen Reinerlös von 140 000 Euro zu erwirtschaften. Damit entsteht der Spielraum für eine Dividende von einem Prozent.Zu den Begleiterscheinungen der Erfolge gehören steigende Mieten. Erwartungen, dass die Baugenossenschaft mit Rücksicht auf dünne Geldbeutel ein Auge zudrückt, weist Kulpanek zurück: „Solche Lasten kann die Gemeinschaft unserer Mitglieder nicht tragen“, erklärt er und spricht von der Zuständigkeit des Staates. In diesen Fällen bleibe nur die Möglichkeit, Wohngeld zu beantragen. Weil die Baugenossenschaft in vielen Gebäuden in zeitgemäße Standards investiert, sieht sich außerdem so mancher Mieter mit der Forderung konfrontiert, seine vertraute Umgebung zu verlassen. Dass gleichzeitig der Umzug in eine andere Wohnung angeboten wird, ist für Betroffene oftmals ein schwacher Trost. Viele von ihnen verstehen heute „ihre Baugenossenschaft“ nicht mehr.

Ehrgeizige Ziele

Kulpanek sagt von sich, dass ihn solche Schicksale berühren. „Auch mir tut es weh, wenn alte Mitglieder die Wohnung aufgeben müssen, in der sie geboren worden sind.“ Eine Alternative zum eingeschlagenen Kurs sieht er aber nicht. Das gilt auch für das Ziel, sich stärker am Esslinger Mietspiegel zu orientieren, der als Durchschnittswert für Esslinger Wohnungen bisher 7,16 Euro pro Quadratmeter nennt. Die Baugenossenschaft bewegt sich bisher auf einem Niveau von 5,70 Euro.

Der Vorstand will den Sanierungsstau bis 2020 auflösen, den Anteil des Eigenkapitals bis 2032 verdoppeln und die Dividende mittel- bis langfristig auf vier Prozent erhöhen. Kulpanek weiß, dass dieser Kurs mit weiteren Härten verbunden ist.
Vorwürfe, dass die Baugenossenschaft ihre Mieter über Gebühr belastet, weist der Vorstand aber zurück. „Wir schöpfen den rechtlichen Spielraum nur teilweise aus“, sagt Kulpanek. Während das Gesetz innerhalb von drei Jahren Mieterhöhungen von 20 Prozent erlaube, beschränke sich die Genossenschaft auf 10 Prozent. „Außerdem bleiben wir um fünf Prozent hinter den Werten des Mietspiegels zurück.“ Ausnahmen gelten für 53 Mitglieder, die sich anders als die breite Mehrheit dagegen ausgesprochen haben, Schönheitsreparaturen zu übernehmen.

An solchen Reizthemen entzünden sich bisher viele Streitigkeiten. Unüberwindbar scheinen die Gräben aber nicht zu sein, wie die Ergebnisse für den Aufsichtsrat zeigen - für jenes Gremium, das zusammen mit dem Vorstand für die Geschäftspolitik verantwortlich zeichnet. Er wurde mit fast 70 Prozent der Stimmen entlastet. Und bei drei Wahlen gab es nur vereinzelte Gegenstimmen.

Artikel vom 03.07.2013 © Eßlinger Zeitung


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