Mieten steigen moderat

Eßlinger Zeitung 01.03.2014

ESSLINGEN: Durchschnittliche Nettomiete liegt jetzt bei 7,42 Euro pro Quadratmeter - Neuer Mietspiegel schafft Transparenz

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Der Kompass für den Esslinger Wohnungsmarkt: Beim neuen Mietspiegel handelt es sich um Durchschnittswerte und nicht um Empfehlungen. Vermietern steht es frei, nach unten abzuweichen. In beschränktem Umfang können sie aber auch höhere Preise durchsetzen. Foto/Montage: Bulgrin/Blank

Esslingen ist für Mieter ein teures Pflaster. Laut Mieterbund belegt die Stadt in einem bundesweiten Vergleich den 18. Platz. Zuletzt sind die Preise allerdings nur moderat gestiegen: Der neue Mietspiegel, der auf dem Esslinger Wohnungsmarkt für Transparenz sorgt, weist gegenüber 2012 ein Plus von 3,6 Prozent aus.

Von Hermann Dorn

9000 Haushalte sind im vergangenen Jahr von der Stadt Esslingen gebeten worden, einen Fragebogen zu den Mieten auszufüllen. Das EMA-Institut aus Bayern hat fast 700 Antworten ausgewertet. „Das ist eine verlässliche Basis“, betont Nikolaus Illik-Brücher vom Amt für Sozialwesen. Berücksichtigt wurden vor allem neue Mietverträge sowie Informationen über die jüngsten Mieterhöhungen. Nachdem der Mietspiegel zuletzt lediglich fortgeschrieben worden war, gibt es jetzt erstmals seit 2010 wieder ein Instrument, das auf aktuellen Daten beruht. 40 000 Euro mussten dafür aufgebracht werden - eine Summe, an der sich neben dem Haus- und Grundbesitzerverein und dem Mieterbund vor allem die Baugenossenschaft und die Esslinger Wohnungsbau GmbH (EWB) beteiligt haben.

Der Mietspiegel nennt mehrere Kriterien, die für die Wohnqualität und damit für den Mietpreis eine Rolle spielen. Erstmals berücksichtigt er die Frage, in welchem Stadtteil die Wohnungen liegen. Ein Punktesystem sieht einen Aufschlag für die Innenstadt, Hegensberg, Neckarhalde, Sulzgries und Wiflingshausen vor. Für andere Stadtteile gibt es gestaffelte Abschläge. Illik-Brüchner begründet diese Methode mit der Verwirrung, die früher entstanden ist, wenn die Entfernung zum Marktplatz und die Einstufung als Tal-, Halbhöhen- oder Höhenlage bewertet wurden. Dämpfend auf das Preisgefüge wirkt sich aus, dass Baugenossenschaft und EWB deutlich geringere Mieten als die Durchschnittswerte verlangen. Die Unterschiede betragen 20, teilweise 30 Prozent.
Illik-Brücher betont, dass es sich beim Mietspiegel um keine Empfehlung handelt. „Es dürfen selbstverständlich niedrigere Mieten vereinbart werden.“ Er räumt aber ein, dass - in begrenztem Umfang - auch nach oben abgewichen werden kann.

Grenzen des Erlaubten

Die Ordnungswidrigkeit beginnt, wenn die Werte des Mietspieles um 20 Prozent übertroffen werden. Übersteigt die Miete die Vergleichswerte um 50 Prozent, wird von Mietwucher gesprochen. Kläger müssen aber nachweisen, dass der Vermieter eine Zwangslage ausgenutzt hat.
Udo Casper, Vorsitzender des Mieterbunds in den Kreisen Esslingen und Göppingen, geizt nicht mit Lob, wenn er sich über den Mietspiegel äußert. Wie Oberbürgermeister Jürgen Zieger spricht er von einem „wichtigen Beitrag zum sozialen Frieden in der Stadt“, von „einer transparenten Grundlage für Vermieter wie Mieter“. Dass die Mieten zuletzt nur moderat gestiegen sind, ist für ihn aber kein Grund zur Entwarnung. „Das Niveau liegt 20 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt“, sagt er. Sorge bereitet ihm das anhaltende Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Der Wohnungsmangel lässt ihn fürchten, die Mieten könnten weiter steigen. Casper fordert deshalb verstärkten Wohnungsbau, wobei er auch Menschen mit dem kleineren Geldbeutel berücksichtigt wissen will.

Hermann Falch, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins in Esslingen, erkennt den Mietspiegel ebenso als qualifiziert an wie Casper. „Die Erhöhungen sind maßvoll“, sagt er und fügt hinzu, dass sie sich im Bereich der Inflationsraten bewegen. Das gelte auch für den Vergleich mit 2010. Innerhalb von vier Jahren beträgt der Anstieg etwas mehr als sieben Prozent.

Der Mietspiegel kann bei allen beteiligten Stellen bezogen werden. Für fünf Euro gibt es ihn im Bürgeramt.
Er ist im Internet einsehbar und kann unter www.esslingen.de/site/Esslingen-Internet/get/1200431/Mietspiegel2014.pdf heruntergeladen werden.
Unter www.mietenberechner.net/esslingen2014/ kann die Miete berechnet werden.


Artikel vom 01.03.2014 © Eßlinger Zeitung


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