Breites Bündnis für neue Baugebiete

Eßlinger Zeitung 23.06.2015

ESSLINGEN: Wohnungsbranche erklärt Widerstände mit Einzelinteressen - Verwaltungsspitze legt morgen ihre Vorschläge zur Stadtentwicklung vor

Die Arbeit an einem Kompass, der bis 2030 die Richtung für die Esslinger Stadtentwicklung vorgibt, tritt in die entscheidende Phase. Morgen wird die Verwaltungsspitze vor der Presse ihre Vorstellungen zur künftigen Einwohnerzahl und zu neuen Baugebieten erläutern. Im Vorfeld hat die Wohnungsbranche ihre Erwartungen formuliert. Sie setzt auf Wachstum ebenso wie auf die Erweiterung der Siedlungsgrenzen.

Von Hermann Dorn

Befürworter wie Gegner neuer Baugebiete gehen in einem Bürgerdialog seit einem Jahr der Frage nach, wohin die Entwicklung führen soll. Nachdem der Prozess abgeschlossen worden ist, schlägt jetzt die Stunde der Politik. Für Verwaltung und Gemeinderat beginnt die Arbeit am neuen Flächennutzungsplan. Zunächst gilt es, sich über zentrale Vorgaben zu verständigen. Einen entsprechenden Antrag hat die Verwaltungsspitze gestern hinter verschlossenen Türen dem Ausschuss für Technik und Umwelt präsentiert. Morgen wird sie ihn der Presse vorlegen. Noch vor den Sommerferien muss sich zeigen, ob der Gemeinderat den Vorschlägen folgt.

In der Öffentlichkeit wird die Diskussion mit Spannung erwartet. Das Aktionsbündnis „Lebenswertes Esslingen“ hat sich schon vor zwei Wochen zu Wort gemeldet und erklärt, die Verwaltung ignoriere den Klimawandel, wenn sie wie angekündigt auch Baugebiete im Außenbereich vorschlage. Eine solche Politik liege nur im Interesse der Grundstücksbesitzer, die Bauland verkaufen wollten, heißt es in der Stellungnahme (die EZ berichtete). Die Baugenossenschaft Esslingen weist diese Kritik zurück. In einem offenen Brief werfen die Vorstandsmitglieder Oliver Kulpanek und Christian Brokate den Gegnern neuer Baugebiete vor, nur persönliche Einzelinteressen zu verfolgen. Verwaltung und Politik werden aufgefordert, sich nicht an solch „individuellen Wünschen“ zu orientieren. Entscheidend sei vielmehr das „Wohl der Stadt als Ganzes“.

„Attraktiver Standort“

Esslinger Wohnungsbau (EWB), der Verein Haus und Grund sowie der Deutsche Mieterbund Esslingen-Göppingen unterstützen den Vorstoß. Auch die City Initiative - sie setzt sich vor allem für den Einzelhandel ein - gehört zu dem Bündnis, das mit seiner Initiative dem Gemeinderat den Rücken stärken will.

Wenn es im Rathaus eine Mehrheit für die Marschroute geben sollte, die Einwohnerzahl auf dem heutigen Stand zu stabilisieren, wäre das für die Verfasser des offenen Briefs „äußerst zurückhaltend“. Mit dieser Einschätzung ermutigen sie den Gemeinderat zu einem offensiveren Umgang mit dem Thema. Sie werben für eine Politik, die auf Wachstum setzt. Esslingen müsse als Mittelzentrum in einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas eine Antwort auf den Wohnungsmangel geben. Im Klartext heißt das: Bestehende Siedlungsräume sollen erweitert und arrondiert wurden. Esslingen sei ein attraktiver Standort, betonen Kulpanek und Brokate. Sie verweisen auf die starke Nachfrage, die sie für die 3000 Wohnungen der Baugenossenschaft inner- und außerhalb der Region feststellen. „Jetzt gilt es, dieses Potenzial zum Nutzen der ganzen Stadt zu heben“, schreiben sie.

Verbunden ist diese Aufforderung mit der Warnung vor einem Rückgang der Einwohnerzahl. Die Kosten für die Infrastruktur würden sich dann auf immer weniger Menschen verteilen, heißt es in dem Brief. Wer eine schrumpfende Stadt als wünschenswert betrachten sollte, wird zum Blick auf entsprechende Beispiele aufgefordert. Dort gebe es einen massiven Abbau von freiwilligen öffentlichen Leistungen sowie kräftig steigende Gebühren und Steuern.

Die Absender gehen auch auf die Frage der Arbeitsplätze ein. Sorge bereitet ihnen, dass der Bedarf an neuen Gewerbeflächen in den bisherigen Überlegungen zu wenig berücksichtigt werde. Mit diesem Stand will sich das Bündnis nicht abfinden. Wenn man der heimischen Wirtschaft gerecht werden wolle, sei es zwingend, weitere Entwicklungsmöglichkeiten auszuweisen, heißt es.

Artikel vom 23.06.2015 © Eßlinger Zeitung

Den Artikel finden Sie ebenfalls hier als PDF- Dokument.


AKTUELLES


NEU: Juniorsparen

1,25 % Zins p. a.


Das Sparkonto für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.
Weitere Angebote, Bedingungen und Infos finden Sie in der Rubrik „Sparen“.

Oder rufen Sie uns an:
0711 - 35 17 67-10

INFORMATIONEN


Kurzbericht "Geschäftsjahr 2016" mehr
TV-Interview mit Alexandra Schäfer. mehr
Im Juni 2017 endet das analoge Fernsehen mehr