Silcherhof auf dem Weg zum Musterviertel

Eßlinger Zeitung 31.03.2015

ESSLINGEN: Baugenossenschaft errichtet 110 Mietwohnungen - Innenhof wird erhalten


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Grüne Oase zwischen Innenstadt und Oberesslingen: Sie ist gesetzt, wenn die Baugenossenschaft in der zweiten Jahreshälfte 2016 beginnt, die Gebäude abzubrechen. Das Ziel, das Grundstück intensiver als bisher zu bebauen, konzentriert sich ausschließlich auf die Randbereiche des Quartiers. Foto: Bulgrin


Aus 52 alten Wohnungen werden 110 neue - diese Lösung bereitet die Baugenossenschaft im Silcherhof vor. Das Quartier könnte zwischen Innenstadt und Oberesslingen ein Musterbeispiel werden, wie eine gelungene Verdichtung aussieht. Zu den Pluspunkten des Konzepts zählt die Absicht, den grünen Innenhof weitgehend zu erhalten. Als Termin für den Baubeginn wird Ende 2016 angestrebt.

Von Hermann Dorn

Verdichtung im Bestand - dieser Ansatz spielt in den Esslinger Versuchen, den Wohnungsmarkt mit neuen Angeboten zu entlasten, eine zentrale Rolle. So beliebt die Formel sein mag, so umstritten ist in der Regel die Anwendung. Anwohner wehren sich häufig gegen Bestrebungen, die Bauflächen in ihrer Nachbarschaft intensiver zu nutzen. Verbunden damit ist fast immer die Sorge, die Wohnqualität könnte leiden. Dass es auch anders geht, könnten jetzt die Pläne für den Silcherhof beweisen. Großes Konfliktpotenzial muss der Investor jedenfalls nicht befürchten, wenn er sich anschickt, das Quartier zwischen Hindenburg-, Bismarck-, Silcher- und Andreas-Hofer-Straße neu zu ordnen.
Zehn Gebäude hat die Baugenossenschaft am Rand des Grundstücks zwischen 1923 und 1933 hochgezogen. „Im jetzigen Zustand haben die 52 Wohnungen dort keine Zukunft“, sagt Vorstandsmitglied Christian Brokate heute. Die Mängelliste ist lang: Dächer, Hauswände, Treppenhäuser, Fenster und Türen, Installationen, Heizungen, Haustechnik - alles völlig veraltet. Solche Defizite schlagen sich auch in der Energiebilanz nieder. „Die Mieter haben sehr hohe Heizkosten“, so Brokate.

Zeichen stehen auf Abbruch

Nachdem fünf Architekturbüros das Quartier untersucht haben, steht für den Vorstand fest, dass acht der zehn Gebäude nicht zu sanieren sind. Ein Dreifamilienhaus wäre nur mit hohem Aufwand zu erhalten. Aus wirtschaftlichen Gründen sieht Brokate keine Alternative zum Abbruch. Bleibt ein Gebäude in der Andreas-Hofer-Straße, das aus Sicht von Stadtplanern für diese Ecke charakteristisch ist. Der Vorstand legt sich in diesem Fall noch nicht fest. „Wir prüfen weiter“, heißt es.
Zwei Weichenstellungen erlauben es der Baugenossenschaft, die Zahl der Wohnungen zu verdoppeln. „Bisher säumen nur relativ schlanke Gebäude den Blockrand“, erläutert Brokate. Künftig werde man die Flächen intensiver nutzen. Gleichzeitig versichert er aber, dass der Innenhof nicht angetastet wird. „Solche Grünflächen mitten in der Stadt sind selten und bieten Lebensqualität“, erklärt Oliver Kulpanek, der mit Brokate den Vorstand bildet. Auch städtebaulich weiß er sich in der Verantwortung. Die neuen Gebäude sollen ein „Gesicht haben und sich harmonisch in das Umfeld einfügen“.
Deutlich mehr Wohnungen als bisher bringt der Investor im Silcherhof noch aus einem zweiten Grund unter. Heute beträgt die Größe durchschnittlich 90 Quadratmeter. Künftig liegt der Schwerpunkt auf kleineren Einheiten. Die Rede ist von Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen. „Wir reagieren auf die Tatsache, dass solche Objekte verstärkt nachgefragt werden“, sagt Brokate. Diese Entscheidung glaubt sich die Baugenossenschaft umso mehr leisten zu können, weil sie im benachbarten Klarissenhof großen Wohnungen zuletzt den Vorzug gegeben hat.

Mieten werden deutlich teurer

Auch wenn sich der Silcherhof wie erhofft zum Musterquartier entwickeln sollte, wäre diese Karriere mit einer Schattenseite verbunden. Verdichtung im Bestand heißt immer, dass preisgünstiger Wohnraum wegfällt. Das gilt auch in diesem Fall. Heute beträgt die Kaltmiete pro Quadratmeter deutlich weniger als acht Euro. Künftig werden es mehr als zehn Euro sein. An einem solchen Sprung führt kein Weg vorbei, sagt Brokate und verweist auf die hohen Investitionen von mehr als 20 Millionen Euro. Allerdings gibt es auch eine gute Nachricht: Die Heizkosten werden erheblich sinken.
Den bisherigen Mietern will der Vorstand helfen, eine neue Wohnung zu finden. „Wir informieren jede Woche über freie Wohnungen in unserem Bestand“, sagt Brokate und zeigt sich überzeugt, dass alle Mieter bis Sommer 2016 eine neue Adresse finden. Für Wünsche nach einer späteren Rückkehr zeigt er sich offen.

Artikel vom 31.03.2015 © Eßlinger Zeitung

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